Ein Bericht über eines unserer Mitglieder T.Korn im Trierer Volksfreund

(vom Oktober 2002)

Die Höllenqualen der Roten Teufel

Fans des 1. FC Kaiserslautern bangen mit ihrem Verein ­ Leidensfähigkeit wird auf eine harte Probe gestellt


Von unserem Mitarbeiter
JOSEF FRISCH


KAISERSLAUTERN. Sie bezeichnen ihr Stadion gern als die "Hölle der Liga". Das soll den anderen Angst einjagen. Doch zur Zeit ist alles anders. In der Hölle geht die Angst um, die Angst vor dem Absturz. Die Fans des Fußball-Bundesligisten 1. FC Kaiserslautern leiden Höllenqualen.


Markus B. (33) aus Annweiler, der seit zwanzig Jahren kein Spiel verpasst hat, bringt die Stimmung beim Spiel gegen Energie Cottbus auf den Punkt: "Wenn Vratislav Lokvenc, wie in Nürnberg geschehen, sein Trikot nach dem Spiel in die Menge wirft und das Trikot wird zurückgeworfen, dann ist was faul!"

15 000 Kilometer aus Liebe zum FCK

In der Tat: In der Fan-Gemeinde der Roten Teufel brodelt es. Im Frankenstadion wurde die geschlagene Mannschaft von den eigenen Fans mit "Absteiger"-Rufen empfangen. Markus hat dafür sogar Verständnis: "Wir Fans investieren viel Zeit und Geld, aber haben in den vergangenen Monaten keine Leistung zurückbekommen. Da reißt irgendwann der Geduldsfaden!"

Der Bäckergeselle weiß, wovon er spricht: Sein Urlaub und seine Freizeit gehören zu 100 Prozent dem FCK, oft genug geht es samstags früh direkt von der Backstube in den Fan-Bus zu einem Auswärtsspiel. Wird sonntags gespielt, führt der Weg in der Nacht umgekehrt vom Bus direkt zur Arbeit. Viel Schlaf bleibt dabei auf der Strecke, zumal er auch noch die meisten Spiele der Amateure in der Regionalliga besucht: "Ich glaube, die Spieler wissen gar nicht, was die Fans alles auf sich nehmen, um die Mannschaft zu unterstützen!"

Nicht anders ist es bei Torsten K. Das Herz des 30-jährigeen Lageristen aus Winnweiler schlägt seit zwanzig Jahren für die Roten Teufel. Er hat in der vergangenen Saison alle 34 Spiele live erlebt und dabei weit über 15 000 Kilometer im Fan-Trikot zurückgelegt. Die momentane Situation verursacht ihm sogar körperliche Schmerzen: "Ich hab seit ein paar Wochen mit dem Magen zu tun."

Die Identifikation mit der Mannschaft fällt ihm zunehmend schwerer: "Ich vermisse das, was den Betze immer ausgezeichnet hat: den Kampfgeist. Die Typen, die Kämpfer, die die Ärmel hochkrempeln, fehlen. Wie früher Stefan Kuntz, Axel Roos oder Michael Schjönberg."

Die Personalpolitik kritisieren auch Karsten T. und Tobias F.: "Warum lässt man einen Mann wie Jeff Strasser, der alles für den FCK gegeben und sich total mit dem Klub identifiziert hat, ohne Not gehen?", fragen sich die beiden 15-jährigen Schüler aus Trier.

Ähnlich argumentiert Patrick W. Der 30-jährige Heimerzieher ist früher aus dem Schwarzwald zum Betzenberg gekommen, heute ist ihm selbst ein Weg von über 400 Kilometern aus seinem fränkischen Wohnort Ebensfeld nicht zu weit. "Geschlossene Mannschaftsleistung und Teamgeist waren immer Trümpfe, mit denen sich der FCK im Konzert der Großen behaupten konnte. Warum hat der Verein diese erfolgreiche Linie verlassen und mit Djorkaeff, Taribo West und Sforza satte Stars und Selbstdarsteller verpflichtet, für die nur die eigene Person und nicht die Mannschaft zählt?" Auch der Wechsel von Torwart-Talent Roman Weidenfeller nach Dortmund ist ihm ein Rätsel: "Unglaublich, das war ein Riesentalent aus den eigenen Reihen, ein Perspektivspieler!"

Was den Anhänger noch stört: "Das Preis-Leistungsverhältnis stimmt nicht mehr. Die Profis müssten, wie normale Arbeitnehmer auch, viel leistungsbezogener behandelt werden: keine Leistung ­ kein Geld!"

Dennoch siegt am Ende der Optimismus, nicht allein aufgrund des ersten Saisonsieges gegen Cottbus (4:0). Torsten K.: "Man muss dem neuen Trainer Eric Gerets Zeit geben. Er kann in kurzer Zeit keine Wunder vollbringen. Aber man hat zuletzt schon Fortschritte gesehen." Und Patrick W. hofft, "dass der Verein aus den Versäumnissen der Vergangenheit lernt und in Zukunft wieder mehr auf junge, hungrige Leute wie Christian Timm, Tim Wiese, Silvio Adzic, Torsten Reuter oder andere Spieler aus der Amateurmannschaft setzt. Damit können sich die Leute viel mehr identifizieren."

Bei aller Kritik: Torsten K. spricht aus, was alle Anhänger der Lauterer denken: "Wir bleiben auf jeden Fall treu und werden die Mannschaft weiter zu 200 Prozent unterstützen, damit der Funke, wenn schon nicht vom Rasen auf die Ränge, so doch umgekehrt von den Rängen auf den Rasen überspringt." So ist das eben für die Fußball-Fans: einmal Roter Teufel, immer Roter Teufel.